Hybris III, 2024
nettle fiber, paste
376 × 200cm
shown in
Tacker
Galerie der Künstler*innen, Munich, 2024
Worlds that hold on, wordls that creep up
Seidlvilla, Munich, 2025
pictures
Mariella Maier
Patrik Thomas
(de) Die Reihe Hybris I-III thematisiert wie Menschen ihre Umwelt und sich selbst verstehen, indem sie sich mit jenen geometrischen Prinzipien beschäftigt, die unser Denken, Bauen und Zusammenleben geprägt haben. Geometrische Formen sind tief in der Natur verankert, u.a. sichtbar in Verzweigungen, Zellmustern und dem Wachstum von Blättern. Aus der Beobachtung solcher Formen entwickelten Menschen einst die Geometrie als Mittel der Orientierung und Erkenntnis.
Durch wissenschaftliche Abstraktion wurde Geometrie jedoch auch zu einem Instrument der Einteilung und Kontrolle: einem System idealisierter Formen, das Präzision und Allgemeingültigkeit beansprucht. Die organische Beschaffenheit der Brennnesselfaser widersetzt sich solchen festen Vorgaben. Sie folgt ihrer eigenen Logik – unregelmäßig, wandelbar und reaktionsfähig. Wenn ich diese Fasern in ein Spannungsverhältnis zu geometrischen Strukturen bringe, trifft das menschliche Ordnungsbedürfnis auf die Eigenwilligkeit des Materials.
So hinterfragt meine Arbeit anthropozentrische Vorstellungen, die Natur als formbare Rohmasse begreifen. Stattdessen betont sie das Zusammenspiel von menschlichen und nicht-menschlichen Akteur*innen. Geometrie wird hier nicht auf die Faser projiziert, sondern tritt mit ihr in einen Dialog. Die entstehenden Formen machen sichtbar, dass Wissen nicht aus Beherrschung erwächst, sondern aus einem wechselseitigen Austausch – bei dem Geometrie weiterhin Teil der Natur bleibt und zugleich eingeladen ist, ihren Anspruch auf Perfektion abzulegen.
(en) The Hybris I–III series explores how humans understand their environment and themselves by engaging with the geometric principles that have shaped our thinking, building, and ways of living together. Geometric forms are deeply embedded in nature, visible, for example, in branching structures, cellular patterns, and the growth of leaves. Through the observation of such forms, humans once developed geometry as a means of orientation and knowledge.
Through scientific abstraction, however, geometry also became an instrument of classification and control: a system of idealized forms that claims precision and universality. The organic nature of nettle fiber resists such fixed prescriptions. It follows its own logic—irregular, mutable, and responsive. When I place these fibers in tension with geometric structures, the human desire for order encounters the material’s inherent autonomy.
In this way, my work questions anthropocentric notions that regard nature as a malleable raw material. Instead, it emphasizes the interplay between human and non-human agents. Geometry is not imposed onto the fiber here, but enters into a dialogue with it. The resulting forms reveal that knowledge does not arise from domination, but from reciprocal exchange—one in which geometry remains part of nature while being invited to relinquish its claim to perfection.





